#12 Aus dem Leben einer Intendantin

Shownotes

Moin aus dem Thalia Theater! Im großen Haus am Alstertor haben wir die Chefin des Hauses getroffen: Intendantin Sonja Anders. Was genau macht eigentlich eine Intendantin und wie sieht so ein typischer Tagesablauf von Sonja aus? Was für Möglichkeiten eröffnet Theater und welche Besonderheiten bietet der Live-Moment? Und wie schafft sie es gemeinsam mit ihrem Team, das Thalia Theater zu einem Begegnungsort für eine breite Masse von Menschen zu machen? Das alles, was Sonja Anders mit 100.000€ extra machen würde und wer der nervige WG-Mitbewohner im Thalia Theater ist, hört ihr in der neuen Folge!

Sonja Anders

Sonjas Stückempfehlungen: DEUTSCHES HAUS TIMM THALER

Thalia Freunde Zu den Freund*innen

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00:00:01: Noch

00:00:02: dreißig Minuten bis zur Vorstellung.

00:00:05: Dreißig-Minuten-Drama,

00:00:07: Theater mit Anna und Luca.

00:00:10: Hallo!

00:00:11: Wir sind hier heute mit

00:00:12: Sonja Anders.

00:00:15: Sonja, magst du dich kurz in drei Sätzen bei unseren Zuhörerinnen vorstellen?

00:00:19: Gut

00:00:20: dass hier nichts gescriptet ist.

00:00:21: genau also ich bin Sonja anders.

00:00:24: Ich bin schon im reiferen Alter habe viel Theater bisher gemacht Und habe drei Kinder und bin wahnsinnig gerne Intendantin am Staliertheater.

00:00:37: Noch Köpfe?

00:00:38: Das ist supergut!

00:00:41: Wir starten mit unserer ersten Kategorie, das sind die Flotten fünf.

00:00:44: Und das sind fünf flotte Fragen wo wir unsere Gäste unkonventionell und man ein bisschen anders kennenlernen wollen.

00:00:51: Die erste Frage lautet Wie würde dein Astronautenanzug aussehen?

00:00:54: Pink

00:00:56: Mega

00:00:58: Roman oder Thriller

00:01:00: Roman?

00:01:01: Wer ist dein Kindheitsheld oder Kindheitshelden?

00:01:04: Vielleicht Bibelangstrumpf, aber vielleicht auch Wolfsblut.

00:01:12: Der Wolf aus Wolfsblut!

00:01:16: Auch gut.

00:01:17: Lieblingsessen.

00:01:20: Schwere Frage

00:01:20: ne?

00:01:21: Ja wenn ich koche Aubergine mit viel Knoblauch und Olivenöl, wenn ich essen gehe Asiatisch.

00:01:30: Gute Wahl.

00:01:31: Was steht noch auf deiner Bucketlist?

00:01:34: Oho, Asien zu bereisen mit meiner Tochter.

00:01:38: Toll!

00:01:39: Ich habe mal in Südostasien gelebt.

00:01:40: Das ist wunderschön.

00:01:40: Ja sehr gut wo?

00:01:42: In Singapur hat ich meine Base und dann bin ich durch ganz Südos aus Asien gereist.

00:01:46: ja also kann man nur empfehlen

00:01:48: so wir versuchen in unserem Podcast alle zu erreichen und deswegen auch bestimmte Begriffe zu erklären Was genau ist eigentlich eine Intendantin und was sind deine Aufgaben?

00:02:00: bzw.

00:02:01: wie sieht ein typischer Tagesablauf bei dir aus?

00:02:05: Ja, das Verrückte ist glaube ich dass es sehr weit auseinander geht!

00:02:09: Eine Intendante leitet einen Theater quasi der künstlerisch höchste Kopf in diesem Theater und arbeitet im besten Fall mit einem Team zusammen, was aus der Direktion besteht.

00:02:25: Der Dramaturgie und vielleicht auch noch weiteren Mitarbeitenden genau.

00:02:31: Und so leitet man einen Theater.

00:02:32: der Tag sieht allerdings dann so aus das ist ganz interessant dass man von morgens bis spät abends in irgendwelchen Sitzungen Gesprächen Problembewältigung tag nenne ich das immer hat und viel viel klein kramen eigentlich gar nicht dazu kommt jetzt große visionen oder künstlerische Dinge zusprechen.

00:02:54: Und da ist irgendwo so eine Art Diskrepanz, also ein Unterschied zwischen dem was man glaube ich denkt, was der Intendantin tut und was sie dann tatsächlich tut.

00:03:04: Was sind Highlights in deinem Beruf?

00:03:06: Und was ist vielleicht das Unkuhlste am Intendantenen sein?

00:03:10: Also Highlights sind definitiv die Momente wenn man im Dunkeln in einer Probe sitzt und die Probe gelingt.

00:03:17: Man schaut zu und denkt, das ist das weshalb ich Theater mache.

00:03:22: Und die nervigsten Dinge sind Tatsache in meinen Augen Absagen zum Beispiel, die ich sehr viel tätigen muss.

00:03:29: Das quält mich oftmals oder auch mal unglückliche Menschen im Betrieb, die zu mir kommen.

00:03:38: Das finde ich immer nicht ganz so.

00:03:40: Es ist aber oftmals bewältigbarer als eine Endgültigkeit einer Absage.

00:03:45: Das mag ich gar nicht, ob Bundesregisseurin sind oder jemand der sich fürs Ensemble bewirbt.

00:03:52: Oder einfach auch nur eine Assistenz oder so.

00:03:54: Dann kommen wir jetzt zu dir!

00:03:57: Du kommst selber aus Hamburg und warst bereits am Taliertheater als Dramaturgin und Chefdramaturgin tätig.

00:04:05: Und dann gab es letztes Jahr zur Spielzeit für im Jahr twenty-sechsundzwanzig ein Intendanzwechsel hier am Talertheater nach ziemlich langer Zeit Und du bist die erste Frau in dieser Position.

00:04:17: War es für dich wie ein Zurückkern oder wie ein Neuanfang?

00:04:22: Ach, beides!

00:04:25: Mehr zurückkommen als neu anfangen weil man sich als Mensch natürlich gar nicht so sehr verändert hat.

00:04:32: also als Mensch kommt man zurück und das ist ja auch wichtig im Zusammenarbeiten dass man als mensch kommt mit seinen Vorstellungen sein Wertevorstellungen.

00:04:43: als quasi künstlerische Gestalterin, also als Intendantin ist es dann auch so dass es neu anfangen ist und mich auch glaube ich alle nochmal wieder neu kennenlernen mussten.

00:04:55: Und vor allen Dingen glaube ich in den letzten... Ich war ja sechzehn Jahre weg, solange wie Joachim Luxtawa In den letzten zehn Jahren würde ich sagen sich noch mal für mich gewisse Wertmaßstäbe verschoben haben Im Grunde, die Arbeit für mich auch noch mal mehr geprägt ist von Begriffen wie Feminismus oder Antiklassismus und Antirassismus.

00:05:24: Und als ich hier wegging war das noch gar nicht so ein Riesenthema fürs Theater.

00:05:31: Um da vielleicht auch gleich anzuhaken was Feminismus angeht... Du bist die erste Frau hier am Taliertheater in dieser Position.

00:05:39: Hast du vielleicht da auch selber Ansprüche an dich gehabt oder Ansprüchen von anderen gespürt, die gesetzt wurden?

00:05:47: Ja total.

00:05:48: und auch Ansprücher, die man dann nicht erfüllen kann wie zum Beispiel so... Ich finde es gar nicht so einfach.

00:05:53: in diesem titen Schedule den wir haben weißt du also Wir müssen wahnsinnig viel produzieren!

00:06:00: Wir müssen viel rausbringen, viel einnehmen als um großes Staatstheater.

00:06:08: Und da ist zum Beispiel Familienfreundlichkeit was, was ich eigentlich meinen Mitarbeitenden lieber mehr bieten würde als ich es manchmal kann.

00:06:17: also die Frage zb danach wie sind die Arbeitszeiten auch abends?

00:06:23: Wie kann man die Familie stärken?

00:06:27: das sind so Dinge wo man dann auch irgendwie merkt, man kommt gar nicht hinterher.

00:06:31: Andere Dinge kann man auch ganz gut verändern finde ich oder kann Rücksicht nehmen, kann sich Mühe geben und vor allen Dingen immer wieder viel kommunizieren so dass man ja das man auch als Frau quasi einen Intendant hin sein kann.

00:06:49: Jetzt war vergangenen Freitag die Spielzeit der Öffnung.

00:06:56: Rede.

00:06:57: gesagt hast, dass du ein Theater ohne Elfen beim Turm möchtest und das Theater dafür da ist um nicht allein zu sein.

00:07:04: Und das fand ich einen ganz tollen Satz und einen ganz tollen Gedanken.

00:07:08: Jetzt ist aber die Frage – Ist Theater wirklich für alle da?

00:07:12: Wenn ja wie schafft ihr es, dass ein junger, achtzehnjähriger Mensch sich hier wohlfühlt und angesprochen fühlt und ein siebzigjähriger Menschen genauso?

00:07:21: Ja also... Ganz sicher gehen nicht alle ins Theater, das war noch nie so und man kann doch hoffen dass es mal so wird.

00:07:29: Alle heißt ja auch im Zweifel nur aus allen Schichten, allen Altersgruppen also in vollster Diversität.

00:07:37: Das wäre ja eigentlich der Anspruch.

00:07:41: dafür tun wir schon sehr viel finde ich indem wir auch thematisch versuchen, das wie quasi in den Spielplan mit einfließen zu lassen.

00:07:52: Also die Frage danach, wessen Geschichten erzählen wir?

00:07:55: Wie erzählen sie?

00:07:56: und so... Ich finde dann gleichzeitig diese Elfenbeingeschichte liegt mir schon sehr am Herzen weil ich glaube es ist gar nicht nötig dass das Theater so eine Art Elfenbauturm aufbaut.

00:08:14: Es ist deshalb nicht nötig, weil es gar nicht mit der Kunst so viel zu tun hat sondern eher mit einem Gestus.

00:08:21: Und oftmals übrigens auch patriarchalen Gestus aber auch an so einen paternalistischen das heißt ein bisschen von oben herab und in der Kunst glaube ich sollte die Kunst sich frei an alle wenden.

00:08:37: Gleichzeitig weiß ich aber auch, dass wir dafür viel tun müssen.

00:08:40: Also auch Vermittlungsarbeit und im Grunde auch in die Stadt gut hinein kommunizieren auf allen Kanälen über Social Media oder weiß der Teufel was?

00:08:51: Und jetzt gibt es ja trotzdem immer noch Menschen, vor allem junge Menschen, die sagen Theater das ist nicht zu mich da kann ich irgendwie nichts mit anfangen.

00:08:59: Was entgegnest du solchen Menschen?

00:09:01: Kommt nur einmal sage ich immer so Ich sag ganz oft Ja aber komm nochmal einmalen habe ich dann auch einen Vorschlag parat, wo ich denke das könnte gefallen und vielleicht kommt man doch einmal alle halbe Jahr oder dann wird alle Vierteljahr daraus.

00:09:18: Es muss ja nicht jeder gleich ein Abo abschließen.

00:09:21: so Ich habe ja die größte Hoffnung, liegt immer bei mir in den Kinder- und Familienstücken.

00:09:29: Dass ich sage mal wenn in der Klasse die uns besucht, die am besten Fall auch divers ist übrigens gerade weil wir unsere Partnerschule aus Harburg und so viel da haben dann sage ich immer wenn ich ein Kind erreiche pro Klasse dann ist es echt viel und schon ein toller Erfolg.

00:09:48: Wenn dieses Kind sagt, oh das war da toll im Theater, das irgendwie in mir ist mir reingegangen und das verlässt es vielleicht auch nicht.

00:09:58: Das finde ich immer so minimal Anspruch und gleichzeitig auch ganz ganz toll.

00:10:03: Ja, das ist schön!

00:10:04: Das haben wir vor allem von vielen Leuten auch schon gehört und wir leben das auch so.

00:10:08: Wir versuchen mit dem Menschen in Kontakt zu kommen, den zu reden Ja, einfach Vorschläge zu machen und uns zu überlegen was könnte denn der Person gegenüber gefallen.

00:10:17: Ich glaube auch so funktioniert es irgendwie.

00:10:19: angeblich ist ja mit dass die stärkste Werbung läuft von Mund-zu-Mund Kontakt.

00:10:25: ich finde gleichzeitig das wir den diesen Multiplikatoren in den Schulen schon sehr dankbar sein müssen dass sie mit den Schulklassen kommen.

00:10:34: Es kommen ja nicht alle aber können auch gar nicht alle kommen dafür haben wir gar nicht genug Tickets.

00:10:40: Das finde ich schon toll.

00:10:41: Also diesen Anspruch zu sagen, ich komme mit meiner Klasse und wir sprechen dann auch danach über das Theater – das ist ja oft wichtig!

00:10:50: Ja und ich finde auch wenn man selber von etwas begeistert ist, kann man auch schneller Menschen davon begeistern, wenn man dann selber so mit Herz dabei ist und Interesse daran gefunden hat als wenn man von irgendjemandem gesagt bekommt oder einer lehrenden Person Wir gehen da jetzt rein, weil wir haben das gelesen.

00:11:09: Weil es steht im Lehrplan.

00:11:09: Aber wenn man wirklich so dieses eine Kind erwischt was dann sagt Mama ich will da noch mal reingehen vielleicht können wir die noch mitnehmen oder dann mit den Mitschülerinnen darüber spricht.

00:11:21: Das ist ja super einfach da diese Begeisterung zu wecken und das dann so weiterzugeben Einfach!

00:11:26: Das verlierte.

00:11:27: Arter hat seit zwölf Jahren die besten Zahlen.

00:11:30: also ökonomisch läuft es sehr gut.

00:11:33: Wie viel kostet so eine Theaterproduktion?

00:11:35: Oder besser gesagt, wofür geht das Geld dabei drauf und wer entscheidet, wufür das Geld ausgegeben wird.

00:11:43: Ja!

00:11:43: Das ist ja jetzt eine Frage da könnte man drei Stunden drüber sprechen vielleicht um es ganz runter zu brechen.

00:11:50: also warum Theater so teuer ist hat damit zu tun dass wir einfach sehr sehr personalstark sind.

00:11:59: Das heißt, nicht nur an jedem Abend sieht man auf der Bühne Leute sondern auch dahinter.

00:12:05: Man hat aber auch vormittags auf der bühne Remidemi und also wir haben die Bühner eigentlich nie stillstehen.

00:12:12: Es wird morgens um sieben mit die Vorstellung abgebaut dann wird eine Probe aufgebaut, dann wird geprobt, da wird die Probe abgebaut und nachmittags wird die Vorstellungen wieder aufgebaut.

00:12:22: das ist jeden Tag so bis auf am Sonntag.

00:12:24: da haben wir aber manchmal doppelt vorstellungen Und dafür braucht es schon mal sehr viele Menschen und nicht nur Technik usw.

00:12:31: sondern auch Lichttonen, Einlasspersonal, Begleitung, Ensemble... Assistierende und so weiter und sofort.

00:12:42: Gleichzeitig haben wir eigene Werkstätten, das heißt jedes Bühnenbild alles was hier am Theater gebaut wird bauen wir selber, d.h.

00:12:49: es gibt eine Tischlereimahl, seine Schlosserei, es gibt Schnittschneiderei

00:12:54: usw.,

00:12:55: ne Dekowerkstatt usw.

00:12:57: und so fort.

00:12:59: Siebzig Prozent unserer Gelder die wir haben gehen im Personal.

00:13:05: Das ist auch im Moment, deshalb ist es so eine Challenge dass die Tarife so steigen für die Theater weil sie die wiederum nicht ganz voll ausgeglichen bekommen.

00:13:16: Die Theater in Hamburg sondern nur eins Komma fünf Prozent.

00:13:20: kann man sich ausrechnen wie schnell das denn geht dass das immense Summen werden und das ist das eine genau Und im Grunde auch schon fast das Wichtigste.

00:13:31: Natürlich haben wir auch Gebäude und Kosten, Energiekosten

00:13:34: usw.,

00:13:36: die auch starken Materialkosten.

00:13:38: Also Verdienen tun auch Sommelmitglieder am Theater nicht viel oft mal sogar weniger als Techniker, die über Verdi einfach einen guten Verhandler im Rücken haben.

00:13:53: Man kriegt das der Arter, wenn man es so erhalten will wie jetzt.

00:13:55: Also mit dem Repertoiren im Ensemble und so jeden Tag spielen, kriegt man es einfach auch nicht eingespart leider.

00:14:05: Also würde man ja selber gerne sagen wir kriegen's noch günstiger hin.

00:14:09: aber es ist einfach etwas was die Gesellschaft sich leisten kann soll muss.

00:14:16: Wie viele Mitarbeiterin habt ihr ungefähr?

00:14:20: Wir haben feste Mitarbeitende, circa dreihundertsechzig, sage ich immer.

00:14:26: Das ist so eine schöne Zahl kann man sich so gut lernen.

00:14:28: und dann haben wir aber jedes Jahr also zum Beispiel Regie tun, Musik, aber auch einige Gäste im Bereich auf der Bühne.

00:14:40: wieder fast die gleiche Anzahl an Gästen nochmal.

00:14:43: Das ist hochgegriffen, aber auf alle Fälle in einer dreistelligen Zahl.

00:14:50: Ja weil es ja auch einfach doch mal interessant zu hören das es ja viel mehr Leute gibt als die.

00:14:55: man sieht also nicht nur die Schauspielerinnen und die Leute im Vorderhaus und dich was man so hört Aber es gibt ja einfach viel viel mehr Menschen die hier im Hintergrund arbeiten.

00:15:06: Ehrlich gesagt ist man manchmal sogar selber staunt zum Beispiel letztes Jahr die Weihnachtsgeschichte als szenische Lesung eingerichtet und dann haben wir eine kleine Probe gehabt.

00:15:17: Und dann kam ich so hinter die Bühne, und dann habe ich gedacht wow!

00:15:22: Man sagt einfach mal man macht ne kleine, szenige Lesung und man hat natürlich trotzdem vier Menschen von der Beleuchtung da drei Menschen vom Ton das ganze also vor der Haus alle Techniker.

00:15:37: Das ist schon Einfach gar nicht zu leisten, so eine große Bühne zu gespielen ohne diese Menschen.

00:15:45: Man sieht oftmals

00:15:47: beim

00:15:47: Monolog zum Beispiel nur einen Schauspieler auf der Bühnen und dann denkt man ja das müsste eigentlich günstig sein aber dahinter stecken schon ganz viele Menschen.

00:15:57: Was würdest du machen wenn du jetzt hunderttausend Euro mehr krieg würdest?

00:16:02: Ich glaube ich würde gerne Formate noch mehr machen die sich direkt in die Stadt hineinbewegen.

00:16:09: Das ist nämlich für uns sehr teuer, so in die Stadt zu gehen.

00:16:12: Ich meine jetzt nicht das Klassenzimmerstück, das schicken wir regelmäßig, das habe ich ja auch jetzt wieder reaktiviert und das wird es einmal im Jahr produzieren sondern vielmehr auch so Kooperationen und das womit ich gestartet bin auf dem Gerthauptmannplatz zum Beispiel doch ziemlich teuer und das könnte man gar nicht jedes Jahr leisten.

00:16:31: Und solche Dinge würde ich eher gerne viel machen, auch mit kleineren Theatern vielleicht mal kleine Kooperationen.

00:16:38: Auch das ist dann wieder personalstark und deshalb bräuchte man dafür Geld.

00:16:43: Aufruf an alle die das hören!

00:16:45: Wir brauchen mehr Geld für Kooperation und noch mehr in die Stadt.

00:16:51: Das war toll am Gerthauptmannplatz, dass das ja gratis war komplett.

00:16:55: Und dann glaube ich auch Menschen angesprochen hat die sonst vielleicht nicht angehalten hätten weil eben Preise auch von fünf oder zehn Euro halt abschreckt oder jemanden nicht bereit ist das zu zahlen.

00:17:05: Deswegen nochmal hier bitte alle überlegen ob da noch was

00:17:10: geht.

00:17:12: Wir kommen zur nächsten Kategorie.

00:17:14: Das ist Hamburgs heißer Hocker.

00:17:16: Das sind ein bisschen unangenehmen Fragen.

00:17:18: Weil uns gefeedback wurde wir oft so nett Du hast Germanistik studiert?

00:17:23: In Hamburg, ich habe auch Germanistis studiert.

00:17:25: Wie werde ich Intendantin, wenn ich Germanistisk studiert

00:17:28: habe?".

00:17:29: Das ist ein steiniger Weg hoch!

00:17:32: Naja... Ich bin ja wirklich über die Chefdramaturgie im Grunde in die stellvertretende Intendanz geraten und dann hab' ich mich beworben und da muss man sich durchpeißen.

00:17:42: Wie überall im Leben.

00:17:44: Ja vor allem im künstlerischen Bereich

00:17:46: ne?!

00:17:47: Wir haben vorhin auch schon mal kurz darüber geredet.

00:17:49: Warum sollten junge Menschen ins Theater gehen, wenn Karten verhältnismäßig teuer sind?

00:17:55: Vor allem im Vergleich zu Netflix und

00:17:57: Co.,

00:17:58: wo ein Abo für Monat zehn Euro kostet und Studi-Tickets kosten ja meistens zehn Euro pro Vorstellung.

00:18:06: Genau!

00:18:06: Warum sollten jungen Menschen ins Theatre gehen?

00:18:08: Ja weil Theater ist ein Live-Erlebnis und ich bin davon überzeugt dass man mehr mitnimmt als aus Netflix-Serie oder was anderes auch einfach.

00:18:21: Also dieses Thema, das beschäftigt mich schon sehr resonant.

00:18:26: Was gebe ich in einer Aufführung den da oben?

00:18:29: Was nehme ich mit?

00:18:31: Wie geht es auch hin und her?

00:18:33: Das finde ich für junge Menschen total wichtig und ich glaube ist auch wichtig.

00:18:37: Man braucht einfach zwei Matscha weniger zu trinken zum Beispiel.

00:18:42: Und dann kann man schon ins Theater gehen und hat doch auch so zwei, drei Stunden wie auch immer die Möglichkeit sich mit Themen auseinanderzusetzen, die man übrigens auch im Film nicht bekommt.

00:18:53: Wir arbeiten ja doch andere Themen und andere Ästhetiken ab.

00:18:58: Es ist ja immer auch küh... Ich sage jetzt mal, mehr eine Kunstform des Theater die einen sehr herausfordert als ein gängiger Film würde ich behaupten.

00:19:08: Also es gibt auch künstlerisch sehr hochwertige Filme.

00:19:11: Wir gar nicht den Film baschen und ich finde auch Kino ganz toll und Netflix so mitteltoll.

00:19:18: Man ist nicht einsam man kann ganz viel spüren und kann sich auch mal reiben.

00:19:24: das würde ich sagen

00:19:26: Was würdest du machen, wenn alle unter- und zwanzigjährigen plötzlich das Theater boykutieren würden?

00:19:33: Und was würde hier vielleicht passieren, wenn niemand mehr unter-undzwanzig kommen würde.

00:19:37: Das wäre ganz schlimm für uns weil man das Gefühl hat es reißt auch in beide Richtungen der Kommunikation ab.

00:19:45: wir nehmen ja auch etwas mit von den twenty-fünf jährigen Wenn man unsere ja doch auch stark verjüngte Abteilung, Vermittlung zum Beispiel anschaut.

00:19:55: Die kommunizieren ja wie die Wilden mit den Studierenden aber auch überhaupt eigentlich allen, die Lust haben drauf sich auszutauschen.

00:20:06: Und ich würde unbedingt versuchen eine große Offensive zu starten, wenn ich jetzt merke das Publikum wird immer älter und älther oder so.

00:20:15: Ich habe aber auch nichts gegen die Alten muss ich dann immer wieder sagen es hört sich immer so an als würde man nur verjüngen wollen.

00:20:21: Man will ja im Grunde in die Breite gehen.

00:20:23: Ich würde mich auch freuen wenn einige ganz alte den Weg finden denen sie vielleicht während Corona ein bisschen nicht mehr Also gängig fand.

00:20:36: Corona hat schon auch viel zerstört, finde ich so in der Livebegegnung gerade mit den Alten eher.

00:20:44: Ja da finde ich Theater tatsächlich auch ganz toll weil ich als junger Mensch total gerne auch alleine mal ins Theater gehe wenn jemand keine Zeit hat und ich komme immer ganz viel ans Gespräch eben auch mit alten Menschen.

00:20:56: und das ist so toll weil die Begegnungen ob das jetzt im Foyer ist, ob es in der Pause ist wenn man zusammensitzt oder ob das in der Vorstellung ist.

00:21:04: Wenn man gerade wartet und sich noch mal links und rechts mit den Nachbarn unterhält.

00:21:07: Das ist so bereichernend und das ist so schön!

00:21:09: Also ich habe da bisher nur gute Erfahrungen gemacht und ja kann das nur empfehlen dass das bereichert ist und ganz schön.

00:21:18: Man muss halt auch wollen sich dann mal austauschen

00:21:22: Ja und man muss vielleicht auch aushalten dass man mal nicht einer Meinung ist und dass irgendwie Generationen Unterschiede nunmal da sind.

00:21:29: Aber trotzdem kann man sich ja irgendwie auch einigen und irgendwie so eine Mitte finden, wo man trotzdem miteinander klarkommt.

00:21:38: Und man trifft nun mal einfach auf Leute, auf die man sonst nicht treffen würde?

00:21:42: Also wenn ich mich austausche im Theater mit Leuten, die ich nicht kenne, dann sind das meistens Leute, die nicht in meinem Freundeskreis altastechnisch vielleicht auch existieren würden.

00:21:54: Das finde ich vor allem auch so schön.

00:21:56: Dadurch halt diese ... Unterschiede in Meinungen und so, was man gesehen hat.

00:22:01: Und wie man das Gesehene aufnimmt ist ja auch total unterschiedlich von der Generation her.

00:22:06: Da soll den Austausch zu kommen finde ich total schön.

00:22:11: Ja vor allen Dingen merkt man, wie kompetent das Publikum auch ist oder wie sehr Kompetenz durch die Vielfalt an Stimmen so entsteht.

00:22:20: Das finde ich immer so toll dass man so interessante Dinge hört über das, was wir zeigen

00:22:26: Ja und so unterschiedliche, auf die man vielleicht selbst nicht kommen würde.

00:22:30: Die aber andere einem dann Feedbacken.

00:22:32: Und das ist so schön weil es den Horizont so erweitert.

00:22:35: Wie gesagt, man muss ja nicht alles toll finden und auch nicht alles muss einem selber gefallen oder muss man sich annehmen, aber man kann drüber nachdenken.

00:22:43: Das finde ich ganz besonders gerade in diesem Live Moment Theater.

00:22:48: Die nächste Frage ist Kann Theater tatsächlich etwas in der Gesellschaft verändern?

00:22:52: Oder reden wir uns das in der Kultur Szene nur ein

00:22:55: Direkt wird der Arter wenig verändern, aber indirekt sehr viel.

00:22:59: Also wenn ich mir vorstelle es gäbe gar keine Kultur mehr die im Austausch so miteinander besteht also sagen wir mal wir sind alle nur noch digital unterwegs dann wird der Gesellschaft auf Dauer etwas fehlen denn wir haben im Theater, wie wir eben festgestellt haben einen Austausch von unterschiedlichen Meinungen.

00:23:26: Aber wir haben auch ein Forum oftmals, das versuchen wir zumindest zu bieten für den Austausche im Großen also quasi wie ein Parlament gedacht.

00:23:42: und wir haben etwas nämlich Es gibt so einen Spruch, dass Theater auch eine Empathie-Schule ist.

00:23:50: Und das kann man glaube ich auch so verstehen, dass man dorthin geht und sich Menschen anschaut die sich wiederum Menschen einverleiben auf der Bühne und sie darstellen und man sich wirklich damit beschäftigt.

00:24:07: wo kommt diese Person her?

00:24:09: wie anders als ich hat sie gelebt?

00:24:15: oder denkt sie und das tut man im Theater dadurch, dass der Mensch live auf der Bühne ist anders als wenn man es digital serviert bekommt.

00:24:24: Oder auch die Geschichten weiterzutragen, die unsere Gesellschaft ja schon seit Jahrtausenden im Grunde formt.

00:24:32: Das ist auch so typisch Theater!

00:24:35: Kommen wir zurück zu dir und deinem Weg hierher... Was war dein größter Fehltritt auf deinem weg bis jetzt?

00:24:44: Oh, Fehltritt.

00:24:46: Oder vielleicht eine Abbiegung aus der du wieder rausgegangen bist und was andere abbiegt?

00:24:50: Ich bin

00:24:50: so ein zufriedener Mensch!

00:24:53: Es ist überhaupt kein Fehltritt aber ich fand schon die Begegnungen in Berlin mit der Kritik und den Snops Berlins schon echt anstrengend für mich und das habe ich aber allerdings vorher auch geahnt.

00:25:09: ... besseren Wissens ja mit Ullikur nach Berlin gegangen.

00:25:15: Und ich fand aber so die ersten Jahre echt hart da!

00:25:20: Die ersten Jahre sind immer etwas schwierig, wenn man was Neues quasi in einen Theater trägt... Aber da im Berlin war es schon und ich frage mich manchmal muss man sich dem so aussetzen?

00:25:31: oder wir haben uns dann ja auch berappelt, aber das hat schon so fünf Jahre gedauert.

00:25:37: Und einen richtigen Fehltritt hatte ich eigentlich nicht.

00:25:40: Ich würde mal alles auch Erfahrungen nennen, ich war ja in Stuttgart zum Beispiel und würde jetzt auch nichts sagen dass ich unbedingt wieder nach Stuttgar zurückmüsste oder so.

00:25:48: aber es war dann auch okay und war... Ich finde ehrlich gesagt das auch mal Misserfolge oder nicht ganz so tolle Orte oder Menschen einem ja auch wieder Also einen weiterbringen.

00:26:03: Insofern bin ich eigentlich relativ zufriedener Mensch, was mein Weg angeht.

00:26:07: Das ist auch schön und das Wege hart und steinig sein kann hast du ja gerade schon gesagt.

00:26:13: Aber würdest du sagen dass du mit den Hamburgers knobs besser klarkommst?

00:26:15: Weil Du Hamburgerin bist und also ein bisschen mit dem Schlachmensch besser... umgehen kannst?

00:26:21: Ja oder Tatsache auch, weil ich da in Hannover der sechs Jahre Intendanz üben konnte und natürlich kriegt man immer wieder auch Kritik.

00:26:30: Das ist ja auch richtig das ist das Spiel und kriegt auch immer wieder Leute die einem erklären warum anderes Theater besseres Theater ist.

00:26:39: Ich finde die Hamburger Snops halten sich eigentlich in Grenzen.

00:26:42: Ich habe manchmal fast das Gefühl sie gar nicht unbedingt zu mir kommen.

00:26:47: Wir haben ja noch ein paar andere Theater hier in der Stadt.

00:26:51: Die letzte heiße Hockerfrage ist, wenn das Talia eine WG wäre?

00:26:55: Wer wäre der nervige Mitbewohner oder die nervigen Mitbewohnerin?

00:27:01: Aus dem Moment heraus würde ich mal sagen dass es die Bauarbeiten sind, die der allernervigste Bewohner sind weil's überhaupt viel zu langsam vorangeht und wir uns quälen gerade mit nicht vorhandenen Toiletten duschen.

00:27:14: Wir haben jetzt zum Beispiel Menschenfeind, demnächst hier.

00:27:19: Das ist eine Produktion wo die Ensemblemitglieder über und über mit Farbeverwalt sind.

00:27:25: ich weiß gar nicht wo diese Farbe abwischen soll weil es einfach derzeit keine Duschen gibt.

00:27:30: also definitiv die Baustelle ist der nervigste Wohner.

00:27:36: das

00:27:36: können wir unterschreiben.

00:27:38: Bei uns in der Schule sind wir auch schon seit ganz langer Zeit Bauarbeiten, es gibt manchmal keine Kloes, manchmal kein Wasser, Dusche sowieso nicht eine Küche auch nicht.

00:27:46: also ja

00:27:48: aber bald haben wir hoffentlich ne Dusche dann können wir uns auch mit Farbe beschmieren Dann geht's richtig los bei uns.

00:27:55: Du hast das jetzt auch schon fast geschafft.

00:27:57: Wir sind am Ende unserer Folge angekommen und am ende jeder Folge fragen wir immer nach Stück Empfehlungen für unsere Hörerinnen Vielleicht auch für die Leute besonders, die nicht so oft ins Theater gehen und da jetzt erst mal reinkommen wollen.

00:28:13: Was hast du zu empfehlen?

00:28:15: Also ich würde schon unser Öffnungsstück Deutsches Haus sehr empfehle, weil es auch sehr zugänglich ist auf der einen Seite aber dann doch mit unserer Zeit viel zu tun hat.

00:28:24: das ist ein Stück was in den sechziger Jahren spielt und sich mit Vergangenheitsbewältigungen weitesten sind aber auch viel mit Familie auseinandersetzt Beiden Welten, die sich so widersprechen.

00:28:39: auf der einen Seite.

00:28:41: Die verbrechen des Nationalsozialismus, die maximal düster und traurig auch sind.

00:28:48: Auf der anderen Seite aber dann eben den Willen als Familie bestehen zu wollen oder auch Liebe suchen zu wollen.

00:29:00: Das finde ich das kommt da gut zusammen.

00:29:04: Und dann würde ich den Familien, falls Familien hören auch Tim Tala nochmal ans Herz legen.

00:29:10: Weil das so eine schöne Geschichte ist um diesen Jungen der im Grunde Arm ist und die einmalige Chance hat Geld zu bekommen beziehungsweise jede Wette zu gewinnen.

00:29:23: Der Preis ist dass er seinen Lachen her schenkt.

00:29:26: Das finde ich schon eine tolle Geschichte für uns heute.

00:29:34: Wir durften immer nur den Kinderkanal gucken und mein Zwillingsbruder fand Tim Thaler mal ganz, ganz toll.

00:29:39: Deswegen bin ich damit groß geworden.

00:29:40: auch wenn ich kein Kind mehr bin und keine Familie mitbringen werde ich mir das Stück anschauen weil es ist wirklich ein ganz toller Stoff.

00:29:46: Ich glaube was kann man auch super als erwachsene Personen gucken?

00:29:50: Ja dann hast du's fast, fast geschafft!

00:29:53: Ganz am Ende einer jeden Folge schenken wir unseren Gästen noch dreißig Sekunden Sendezeit die frei eingesetzt werden dürfen für irgendwas... noch nicht aufgekommen ist, was man mal gerne noch sagen wollen würde.

00:30:06: Okay!

00:30:07: Also

00:30:07: okay dann würde ich alle Zuhörenden quasi auffordern mit uns gemeinsam, mit dem Theater gemeinsam oder auch vielleicht ihren sie umgebenden Menschen aber gerne auch in der Öffentlichkeit für Demokratie zu werben Für ein gerechtes Miteinander für vielleicht ein kleines Ehrenamt in dieser Stadt da einzutreten, eine ehrenamtliche Tätigkeit.

00:30:40: Und Last but not least ist es ja auch ein bisschen so was vielleicht mal sich zu überlegen ob sie unserem Freundeskreis nicht beitreten wollen der nämlich auch uns unterstützt aber gleichzeitig auch einen Forum bietet um sich auszutauschen oder zu treffen.

00:30:58: Definitiv und wo auch Jung und All zusammenkommen können und sich gegenseitig austauschen können.

00:31:04: Vielen Dank für deine Zeit.

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